2005-02-23a
„Wo Sprachgebrauch erschwert oder verhindert wird, werden immer auch Menschen unterdrückt.“ – Das Presseecho zum Tag der Muttersprache
Es war klar, dass unsere Freunde vom Verein Deutsche Sprache (VDS) sich diese Gelegenheit, wieder einmal in die Schlagzeilen zu kommen, nicht entgehen lassen würden. Zum vorgestern begangenen internationalen Tag der Muttersprache planten die wackeren Denglisch-Bekämpfer gemeinsam mit anderen Verbänden die dauerhafte Aufstellung einer rund zwei Meter hohen Glassäule in der Innenstadt von Weimar. Dieser „Leuchtturm für die deutsche Sprache“ wird mit ausgewählten Zitaten zum Thema Sprache geschmückt, zum Beispiel mit Schillers „wie menschlich Menschen sind, zeigt ihr Umgang mit der Muttersprache“. 
    Pressesprecher Tobias Mindner erläutert die Motivation seines Vereins: „Englisch im Kindergarten, amerikanischer Hip-Hop und Gospel in der Schule, aufgeblähtes Fachchinesisch im Studium und Anglizismen im Beruf; ungelenkes Amtsdeutsch überall und Denglisch zum Feierabend – das ist unser Alltag. Es wird Zeit, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Und das ist klares und feines Deutsch.“
    Dass die Verbände der Übersetzer und Dolmetscher diese Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen, ungenutzt verstreichen lassen würden, war ebenso klar. Wie man es hätte machen können, zeigte die Westdeutsche Allgemeine (WAZ). Sie befragte die Essener Diplom-Dolmetscherin Karin Bettin (43, Französisch, Englisch, Uni Saarbrücken) zu den Hürden, die durch Fremdsprachen entstehen und wie diese von Dolmetschern und Übersetzern überwunden werden können.
    Im Hamburger Abendblatt wetterte ein pensionierter Deutsch-, Russisch- und Lateinlehrer gegen die Anglizismenflut. Auch die Deutsche Sprachwelt befürchtet einen „englischen Sprachkolonialismus“. Der Reichtum der Sprachen müsse daher erhalten bleiben und genutzt werden.
    Der Münchner Merkur feierte die „1200 Jahre alte“ Muttersprache Bairisch, die „viel ausdrucksvoller und treffender als das norddeutsch gefärbte Schriftdeutsch“, teilweise aber bereits ein „Sanierungsfall“ sei. Ein Professor mahnte, den Wert der gewachsenen bairischen Kultursprache zu erkennen „und als Kleinod zu erhalten“.
    Aus ganz anderer – nämlich sozialistischer – Perspektive beleuchtete das Neue Deutschland die Geschichte des jungen Gedenktages. „Studien belegen, dass Basiswissen am effektivsten in der Muttersprache vermittelt wird“, heißt es da. Und: „Kinder, die gar nicht in ihrer Muttersprache unterrichtet werden, lernen vor allem, dass ihre Herkunft als minderwertig gilt.“ Fazit: „Wo Sprachgebrauch erschwert oder verhindert wird, werden immer auch Menschen unterdrückt.“
[Text: Richard Schneider. Quelle: VDS, 2005-02-18; WAZ, 2005-02-20; Hamburger Abendblatt, 2005-02-21; Deutsche Sprachwelt, 2005-02-20; Münchner Merkur, 2005-02-20; Neues Deutschland, 2005-02-21. Bild: VDS.] www.uebersetzerportal.de

VDS-Chef Walter Krämer