2005-03-03
Tagesspiegel kritisiert: Europa wächst, Übersetzerunis specken ab
Durch die Osterweiterung der Europäischen Union wurde die 44 Jahre währende unnatürliche Spaltung des Kontinents überwunden. Nach Jahren des Chaos hat in Osteuropa der wirtschaftliche Aufschwung begonnen. Der Bedarf an qualifizierten Sprachmittlern für Wirtschaft und Politik wächst. „Doch die universitären Dolmetscher- und Übersetzer-Institute sind kaum dafür gerüstet“, warnt der Berliner Tagesspiegel. „Es droht ein Mangel an Dolmetschern und Übersetzern für so wichtige Sprachen des neuen Europa wie Polnisch, Tschechisch und Litauisch.“ Und weiter:
Die Sprachausbildung in Litauisch und Lettisch ist pünktlich zur EU-Erweiterung noch weiter reduziert worden: [...] Die Baltistik in Münster wurde nun geschlossen. [...] Zum Übersetzer oder Dolmetscher für Polnisch kann man sich noch in Mainz-Germersheim ausbilden lassen, sowie in Leipzig als Übersetzer. Tschechisch-Dolmetscher kann man gar nicht mehr werden, Tschechisch-Übersetzer werden noch in Leipzig ausgebildet. Slovakisch kann nur an einer einzigen deutschen Universität als philologisches Hauptfach studiert werden, Slovenisch gibt es in ganz Deutschland nirgendwo als Hauptfach, weder für Dolmetscher oder Übersetzer noch für Philologen. Bis vor kurzem konnten west- und südslavische Sprachen noch im Studiengang „Interkulturelle Fachkommunikation“ der Humboldt-Universität zu Berlin belegt werden. 
Die Redakteurin lässt folgende Personen zu Wort kommen:
  • Dr. Larisa Schippel, Leiterin der Interkulturellen Fachkommunikation an der Humboldt-Universität Berlin.
  • Dr. Anja Holderbaum, Akademische Rätin an der Englischen Abteilung des IÜD Heidelberg.
  • Prof. Dr. Gerd Wotjak, geschäftsführender Direktor des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Universität Leipzig.
  • Norbert Koschyk, BDÜ-Pressesprecher.
  • Dr. Wolfgang Sturz, Geschäftsführer des Übersetzungsdienstes transline, Reutlingen.
Mittlerweile hat sich zumindest an der Humboldt-Universität (HU) eine Wendung zum Besseren ergeben, wie Larisa Schippel gegenüber dem Übersetzerportal erklärt. Der Tagesspiegel sei nicht mehr auf dem neuesten Stand und die Situation in Berlin „nicht ganz so trist wie es zunächst schien“. Schippel sagt: „Es gibt das klare Bekenntnis des Präsidiums der HU, den Studiengang IFK (Interkulturelle Fachkommunikation, d.h. Dolmetschen und Übersetzen in einem Studiengang) als Masterstudiengang fortzusetzen – und zwar mit Schwerpunkt Osteuropa. Das hat der Vizepräsident für Lehre und Studium öffentlich mitgeteilt. Romanische Sprachen und Englisch werden auch dabei sein, die jeweiligen Fächer müssen dann entscheiden, ob auf B- oder C-Sprachen-Niveau.“
    Den Zeitungsartikel von Doris Marszk können Sie in voller Länge im Tagesspiegel lesen. (Externer Link. Möglicherweise nicht mehr gültig.)
[Text: Richard Schneider. Quelle: Tagesspiegel, 2005-03-03. Bild: Schippel, Sturz.] www.uebersetzerportal.de

Larisa Schippel


Wolfgang Sturz