2005-03-04
Zahl der Freiberuflerinsolvenzen in Deutschland 2004 weiter gestiegen
Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes ist 2004 die Zahl der Insolvenzen von Freiberuflern, Einzelunternehmern und Kleinunternehmen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 8,4 Prozent auf 16.299 angestiegen. Der Anteil der Freiberufler und kleinen Gewerbetreibenden an der Gesamtzahl aller Insolvenzen beläuft sich auf 48,5 Prozent (2003: 45,8 Prozent).
    Es gibt externe und interne Gründe, die in die Zahlungsunfähigkeit führen. Zu den externen, außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegenden Faktoren gehören die derzeit schlechte wirtschaftliche Lage sowie zum Beispiel die im internationalen Vergleich zu hohen Steuern. Als interne Ursachen lassen sich Managementfehler sowie vor allem finanzielle Schwierigkeiten durch eine zu geringe Eigenkapitalausstattung nennen. 
    Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform verfügen lediglich 19,9 Prozent (Vorjahr: 18,3 Prozent) der Unternehmen über eine stabile Eigenkapitaldecke von mehr als 30 Prozent des Jahresumsatzes. Dagegen seien 36 Prozent (2003: 35,7 Prozent) aller Firmen mit einem Eigenkapitalanteil von weniger als 10 Prozent unterkapitalisiert und damit potenzielle Pleitekandidaten. Diese Zahlen dürften für die aus Tausenden von Ein-Personen-Unternehmen bestehende Übersetzungsbranche in noch höherem Maße zutreffen. 
    Eine dünne Eigenkapitaldecke macht anfällig für Liquiditätsengpässe, Anschaffungen müssen auf Pump finanziert werden. Nur bei ausreichend bemessenen Rücklagen kann man einen konjunkturell oder betrieblich bedingten Einnahmerückgang ohne Gefährdung der Existenz durchstehen. 
    Allerdings sind die Möglichkeiten zum Aufbau ausreichenden Eigenkapitals in Zeiten der Krise beschränkt. Die anhaltende Nachfrageschwäche und der gestiegene Wettbewerbsdruck haben zu einem Preiskampf geführt. Hohe Steuern belasten die Ertragssituation zusätzlich. Hinzu kommen eine schlechtere Zahlungsmoral der Kunden und häufigere Forderungsausfälle.
    Die deutsche Wirtschaft, früher ein weltweit bewundertes Vorbild, heute eines der Schlusslichter in der EU, scheint zwar inzwischen die Talsohle durchschritten zu haben – in einzelnen Branchen deutet sich ein zaghafter Aufschwung an –, aber spürbare positive Auswirkungen auf die Übersetzungsbranche sind (noch) nicht zu erwarten. Auch die Experten der Creditreform erwarten für 2005 kein Ende der Pleitewelle.
    Das Übersetzungsvolumen scheint in den letzten vier Jahren nicht mehr, wie in den 70 Jahren zuvor, von Jahr zu Jahr satt zweistellig zugenommen zu haben. Offenbar hat sich die Wachstumskurve deutlich abgeflacht. Deutschland ist aber nach wie vor der größte Übersetzungsmarkt der Welt (1992: 30 Mio. Seiten). 
    Fazit: Wer 2005 mehr verdienen will als im Vorjahr, wird sich anstrengen müssen. Von alleine kommen die Aufträge schon lange nicht mehr.

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[Text: Richard Schneider. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de