2005-03-18
Literaturübersetzer Thomas Eichhorn mit Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet
Für seine Übersetzung des bei Ammann erschienenen Fredy Neptune des australischen Lyrikers Les Murray wurde Thomas Eichhorn (43) gestern mit dem „Preis der Leipziger Buchmesse“ ausgezeichnet. Auf der Website des Preises wird Eichhorn wie folgt gelobt:
Thomas Eichhorns kongeniale Übersetzung des Versepos von Les Murray stieß auf einhellige Begeisterung. Zu Recht: Die Sprache, die der deutsche Übersetzer für Fredy Neptunes wundersam pikareske Reise durch das 20. Jahrhundert gefunden hat, ist ebenso spielerisch und gewaltig wie das englische Original. Fredy Neptune ist in die Form eines mündlichen Berichts gekleidet, der in der australischen Umgangssprache vorgetragen wird. Es ist Thomas Eichhorns großartiges Verdienst, dass dieses sprachliche und erzählerische Grundmuster des Versromans, seine Oralität, seine Plurivokalität und seine Kolloquialität, auch in der Übersetzung sichtbar wird. Eichhorn ist es vortrefflich gelungen, die besondere Form des Epos unter wesentlicher Wahrung des Inhalts beständig neu- und nachzuschaffen, im übrigen mit denselben poetischen Mitteln, deren sich auch Les Murray bedient hat. So leuchtet auch in der deutschen Übertragung Murrays Sprachkunst, sein Witz und seine Freude am Fabulieren, ohne jeglichen Glanz zu verlieren.
Neben Eichhorn waren ebenfalls nominiert:
  • Marcus Ingendaay für die Übersetzung von Der Besen im System von David Foster Wallace (Kiepenheuer & Witsch).
  • Maralde Meyer-Minnemann für ihre Übersetzung von Elefantengedächtnis von António Lobo Antunes (Luchterhand).
  • Eva Moldenhauer für ihre Übersetzung von Das Gras von Claude Simon (DuMont).
  • Klaus Laabs für seine Übersetzung von Inferno von José Lezama Lima (Ammann).
Der dieses Jahr erstmals verliehene Preis der Leipziger Buchmesse ersetzt den Deutschen Bücherpreis. Er wird in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik sowie Übersetzung vergeben, die jeweils mit einem Preisgeld von 15.000 Euro dotiert sind. Die Sächsische Zeitung schreibt:
Dass neben Belletristik und Sachbuch auch die Übersetzung als eigene Kategorie gewürdigt wird, ist ein außerordentlich feiner Zug. Was wüsste man sonst von Shakespeare, Tschechow und der Odyssee? Oder was wüsste man von Freddy Neptun? Dass dieser australische Seemann, dieser Don Quichotte unter den Fliegenden Holländern, dieser Zeitreisende durch das verrückte 20. Jahrhundert, etwas bekannt wurde, ist das Verdienst des Thüringer Sprachspezialisten Thomas Eichhorn.
Auf der Leipziger Buchmesse präsentieren sich vom 17. bis zum 20. März 2005 mehr als 2.100 Aussteller aus 30 Ländern auf fast 50.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche.
 
Thomas Eichhorn erblickte 1962 im thüringischen Steinach das Licht der Welt. Seit 1994 arbeitet er freiberuflich als Literaturübersetzer. Er hat Werke von Arthur Rimbaud, William Blake und Peter Ackroyd ins Deutsche übertragen. Für seine Rimbaud-Übersetzungen wurde er 1998 mit dem André-Gide-Preis der DVA-Stiftung ausgezeichnet.
[Text: Richard Schneider. Bild: Leipziger Buchmesse.] www.uebersetzerportal.de

Thomas Eichhorn


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