2005-04-11
Fakten, Fakten, Fakten: ADÜ Nord präsentiert Ergebnisse der empirischen Studie zur Berufspraxis
Am Wochenende wurden auf den 2. ADÜ-Nord-Tagen in Lübeck erste Ergebnisse der in den vergangenen Monaten vom Verband durchgeführten Umfrage zur Berufspraxis vorgestellt. In einigen Monaten will die Arbeitsgruppe „Fragebogen“ des ADÜ Nord einen ausführlichen Studienbericht zur Arbeits- und Einkommenssituation von freiberuflich tätigen Übersetzern und Dolmetschern mit der Arbeitssprache Deutsch herausgeben. Helke Heino fasst die bis jetzt gewonnenen Erkenntnisse zusammen: 

Ziele
Der ADÜ Nord als Sprachmittlerverband möchte der gesamten Berufsgruppe aktuelle Marktdaten zur Einkommenssituation freiberuflicher Übersetzer und Dolmetscher zur Verfügung stellen. Damit wird der Informationsstand in der Branche verbessert sowie Transparenz und Vergleichsmöglichkeiten geschaffen, die nicht nur Berufseinsteigern, sondern auch erfahrenen Kollegen die praktische Orientierung in ihrem Berufsfeld erleichtern.

Zielgruppe
Die Umfrage wandte sich an alle Übersetzer und Dolmetscher weltweit mit der Arbeitssprache Deutsch, die im Jahr 2003 schon oder noch freiberuflich tätig waren.
    Es handelt sich hier ausdrücklich nicht um eine repräsentative Umfrage im streng wissenschaftlichen Sinne, da die Grundgesamtheit der Sprachmittler nicht bekannt ist.

Methode
Die Befragung erfolgte mit Hilfe eines Fragebogens, der online im Internet oder auf Papier von den Teilnehmern selbst ausgefüllt wurde. Bekannt gemacht wurde die Umfrage in der internationalen Sprachmittlergemeinschaft über einschlägige Verbände, Mitgliederzeitschriften, Internetportale und Mailinglisten sowie durch das hohe Engagement einzelner Kolleginnen und Kollegen.
    Der Fragebogen wurde von der vierköpfigen Fragebogen-Arbeitsgruppe des ADÜ Nord unter der Leitung von Marketingberaterin Dr. Thea Döhler (Triacom Unternehmensberatung) entworfen.
    Mit Unterstützung eines fachlichen Beirats sowie zwei Gruppen von Testern wurden die Papier- und die Online-Versionen der Umfrage in mehreren Durchläufen getestet und optimiert.
    Der Fragebogen umfasste 35 Fragen, die teilweise durch Filterführungen und Unterfragen noch weiter differenziert wurden.

Durchführung
Die Erstellung der Online-Umfrage sowie die Datensammlung und die tabellarische Aufbereitung der Rohdaten erfolgte durch das Hamburger Marktforschungsinstitut PhoneResearch.
    Die Online-Umfrage war vom 15. Oktober 2004 bis 31. Januar 2005 im Internet verfügbar; in diesem Zeitraum wurden auch die ausgefüllten Papierfragebögen entgegen genommen und für die elektronische Datenauswertung erfasst.
    Die Datenanalyse und Interpretation erfolgt in zwei Phasen durch die Fragebogen-AG des ADÜ Nord: In der ersten Phase im Februar und März 2005 wurden die Antworten auf die Fragen analysiert, zusammengestellt und ansatzweise interpretiert. Die Ergebnisse sind Inhalt dieses Kurzberichts. Ab April erfolgt eine detaillierte Analyse der komplexen Datensätze. Durch Korrelation bestimmter Fragen wollen wir interessante Kreuzbezüge aufdecken. Die Ergebnisse werden Ende des Sommers 2005 in der Langfassung veröffentlicht.
    Durch die Trennung von Datenerhebung (PhoneResearch) und Datenauswertung (ADÜ Nord) sowie der Teilnahme an der Umfrage ohne Angabe von Daten, die die Befragten identifizieren, ist die Anonymität der Teilnehmer gewahrt.

Beteiligung
Insgesamt haben sich 819 Übersetzer und Dolmetscher an der Umfrage beteiligt. Die meisten (95 %) haben die Fragen online im Internet beantwortet. Diese und alle folgenden Prozentzahlen sind gerundet.

Demographie
Die Antworten auf die demographischen Fragen nach Alter und Geschlecht bestätigen die Verteilung, wie man sie gemeinhin auch in den Berufsverbänden feststellt: Über zwei Drittel (71 %) sind weiblich, 73 % gehören der mittleren Altersgruppe von 30 bis 49 Jahren an und unter 25 Jahre alt ist nur 1 % der Teilnehmer.
    Dass 69 % der Teilnehmer als Wohnort Deutschland nannten, ist ebenfalls keine Überraschung, da eine Bedingung für Teilnahme an der Umfrage die Arbeitssprache Deutsch war und die Aktivität von einem deutschen Berufsverband ausging.
    Auch die Tatsache, dass 93 % der Teilnehmer sich als Einzelübersetzer oder -dolmetscher ohne Geschäftspartner und Angestellte bezeichneten, lässt sich wohl vor allem mit der Zielgruppe dieser Umfrage (»freiberuflich tätig«) erklären und ist nicht zwangsläufig ein Abbild der tatsächlichen Verteilung im Markt.

Abschluss und Berufstätigkeit
Auf die Frage nach einem Abschluss in Übersetzen/Dolmetschen bestätigen 67 % der Teilnehmer, dass sie einen solchen Abschluss haben. Hierzu zählen nicht nur einschlägige Hochschulabschlüsse, sondern auch nicht-universitäre Prüfungen wie »Staatlich anerkannter Übersetzer/Dolmetscher«, das »Diploma in Translation« vom Institute of Linguists und vergleichbare andere Abschlüsse.
    Bei der Frage nach der Dauer der freiberuflichen Tätigkeit zeigt sich eine breite, gleichmäßige Streuung von jeweils um 20 % in den vier Kategorien, die 3 bis 29 Jahre abdecken. Für die Kategorien 1 bis 2 Jahre und über 30 Jahre Berufstätigkeit lässt sich ein interessanter Unterschied in Korrelation mit den Abschlüssen in Übersetzen und Dolmetschen feststellen: Unter den Befragten mit 1 bis 2 Jahren Berufserfahrung haben über 77 % einen Ü/D-Abschluss, wogegen unter den Befragten mit 30 oder mehr Jahren Berufserfahrung nur knapp 54 % einen Ü/D-Abschluss aufweisen.

Berufsverbände
69 % der Teilnehmer gaben an, Mitglied in einem oder mehreren Berufsverbänden zu sein. Bei der Spezifizierung, in welchen Verbänden diese 69 % der Teilnehmer sind, waren Mehrfachnennungen möglich. Wegen der hohen Anzahl in Deutschland ansässiger Teilnehmer ist es keine Überraschung, dass der größte deutsche Berufsverband BDÜ (etwa 5100 Mitglieder zum Erhebungszeitpunkt) mit 50 % der mit Abstand am häufigsten genannte Verband ist. Es folgt der ADÜ Nord mit 14 %. Interessanterweise steht an dritter Stelle mit 11 % schon die ATA (American Translators’ Association), also ein Verband aus dem nicht-deutschsprachigen, außereuropäischen Ausland. An vierter Stelle mit 8 % rangiert der VdÜ (Verband der Literaturübersetzer), dann folgen mit je 3 % der englische ITI (Institute of Translation and Interpreting), der internationale Dolmetscherverband AIIC, der Verband der deutschen technischen Redakteure (tekom) und das englische Institute of Linguists (IoL). Knapp über 2 % erreichten die Aticom und der Deutsche Terminologie-Tag (DTT). Auf nur noch 1,4 % kamen der Berliner VÜD und der österreichische Verband Universitas.

Muttersprache und Sprachrichtung
Auch bei der Frage nach der Muttersprache waren Mehrfachnennungen möglich, da unter Übersetzern und Dolmetschern relativ viele Mehrfach-Muttersprachler sind. 71 % der Teilnehmer gaben Deutsch als Muttersprache an, Englisch liegt mit 14 % an zweiter Stelle. Die so genannten »gängigen Sprachen« wie Französisch, Italienisch und Spanisch sind mit 5 % bis 3 % vertreten, und Niederländisch kommt noch auf 2 %, was 14 Nennungen entspricht.
    Außerdem wurden noch über 30 weitere Sprachen als Muttersprachen genannt, dabei auch so exotische Sprachen wie Chinesisch, Kurdisch, Afrikaans und Persisch, die aber nur noch je einen Teilnehmer auf sich vereinen konnten.
    Bei der Frage nach der Hauptarbeitssprache ist Deutsch bei fast allen Nennungen vertreten. Grund hierfür ist natürlich, dass eine der Teilnahmebedingungen für diese Umfrage die Arbeitssprache Deutsch war. Übersetzungen aus und in die englische Sprache machten den größten Anteil aus (EN > DE 35 %, DE > EN 23 %). Weit abgeschlagen folgen FR > DE und DE > FR mit je 5 % sowie DE > ES mit 4 %.
    Alle weiteren genannten Hauptsprachrichtungen kamen auf jeweils weniger als 4 %. Dies waren insgesamt 69 verschiedene Sprachrichtungen, die zusammen die restlichen 28 % ausmachen.

Vereidigt/beeidigt/ermächtigt
Die Frage nach einer Vereidigung/Beeidigung/Ermächtigung für die Arbeitssprache Deutsch bejahten 43 % (349) aller Teilnehmer. 82 % dieser 349 Vereidigten gaben an, dass sie in Deutschland vereidigt/ beeidigt/ermächtigt sind.

TM-Systeme
Auf die Frage »Arbeiten Sie mit Translation-Memory-Systemen?« antworteten knapp zwei Drittel (64 %) aller Umfrageteilnehmer mit »Ja«. Welche Systeme benutzt werden und welche Formen des Rabatts üblich sind, werden wir in der ausführlichen Analyse untersuchen.

Weiterbildung
Erfreulicherweise gaben 68 % (557) der Befragten an, dass sie an Weiterbildungsangeboten in Form von Seminaren, Tagungen, Vorträgen u. ä. teilnehmen. Von diesen 557 Befragten gibt die große Mehrheit von 79 % weniger als 500 Euro pro Jahr (netto, ohne Reisekosten) für ihre Weiterbildung aus; 15 % geben bis zu 1000 Euro aus und nur 6 % sind bereit, noch mehr in ihre Weiterbildung zu investieren. 

Fachgebiete
Bei der Frage nach den Fachgebieten waren natürlich Mehrfachnennungen möglich. Es konnte aus 10 Antwortvorgaben gewählt werden, aber auch unter »Sonstiges« weitere Fachgebiete angegeben werden. 61 % der Nennungen entfielen auf den Bereich »Industrie und Technik«, gefolgt von 53 % »Wirtschaft und Finanzen«, 49 % »Recht«, 49 % »Marketing und Werbung« sowie 44 % »Informationstechnologie«. 
    Separat wurde abgefragt, ob die Teilnehmer auch als Literaturübersetzer (Belletristik) arbeiten, was 13 % bejahten. Dies erklärt auch, warum der Literaturübersetzerverband VdÜ mit 8 % recht häufig genannt wurde.

Arbeitszeit
Die Frage nach der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit als freiberuflicher Dolmetscher oder Übersetzer (inkl. geschäftsbezogener Nebentätigkeiten) zeigt einen nicht unbeträchtlichen Anteil an Teilzeitsprachmittlern (32 % sind unter 29 Wochenstunden in diesem Bereich tätig), einen großen Teil an Vollzeitsprachmittlern (46 % arbeiten zwischen 30 und 49 Wochenstunden), einen ebenfalls erheblichen Anteil an Vielarbeitern (20 % arbeiten zwischen 50 und 69 Wochenstunden) und einen kleinen Teil an echten Workaholics (2 % arbeiten 70 Stunden oder mehr).
    Bei der Frage, auf welche Tätigkeiten sich die wöchentliche Arbeitszeit als freiberuflicher Dolmetscher oder Übersetzer aufteilt, entfielen 65 % auf die Antwortvorgabe »Eigenes Übersetzen«, 10 % auf »Korrektur- und Redaktionsarbeiten«, 8 % auf »Verwaltung und Buchhaltung« sowie 6 % auf »Eigenes Dolmetschen«. Die Kategorien »Marketing«, »Projektleitung«, »Vergabe von Aufträgen«, »Geschäftsreisen« und Sonstiges machen die restlichen 11 % aus.
    30 % der Befragten gaben an, dass sie neben der freiberuflichen Sprachmittlertätigkeit noch einer anderen vergüteten Tätigkeit nachgehen. 

Kundenstruktur
44 % der Befragten haben nur bis zu 5 Stammkunden, 28 % haben 6 bis 9 Stammkunden, 20 % haben 10 bis 19 Stammkunden und 8 Prozent haben 20 oder mehr Stammkunden.
    Das durchschnittliche Kundenportfolio der Teilnehmer setzt sich aus 51 % Direktkunden, 39 % Agenturen und 10 % Kollegen zusammen. Auffällig hierbei ist, dass mit zunehmender Berufstätigkeit der Anteil der Direktkunden steigt und der der Agenturen sinkt. Diese Entwicklung kann mindestens zwei Ursachen haben: Mit zunehmender Berufserfahrung sucht man sich mehr Direktkunden, da in diesem Segment meistens mehr zu verdienen ist. Oder es hat früher weniger Agenturen gegeben, sodass schon länger tätige Sprachmittler historisch mehr Direktkunden haben.
    Bei der Kundenkategorie Kollegen fällt auf, dass vor allem Berufseinsteiger angaben, Kollegen als Auftraggeber zu haben – Networking als Einstiegshilfe scheint sich also zu lohnen.
    Betrachtet man den Anteil der Direktkunden genauer, so zeigt sich folgendes Bild: An erster Stelle stehen Industrie und Handel (Maschinenbau, Im- und Export etc.) mit 38 % als Auftraggeber der Befragten. Dienstleister (Werbeagenturen, Versicherungen, Banken etc.) folgen mit 22 % an zweiter Stelle und schon an dritter Stelle stehen Privatpersonen mit 14 %. Hier dürfte der nicht unbeträchtliche Anteil (43 %) der vereidigten Befragten durchschlagen, da zu beglaubigende Textsorten wie Zeugnisse, Heirats- und Geburtsurkunden häufig im privaten Bereich anfallen. An vierter und fünfter Stelle stehen mit 10 % bzw. 9 % Behörden und Verlage als Auftraggeber.
    Die große Mehrheit der Teilnehmer (657 Befragte) arbeitet nicht ausschließlich für eine dieser Kundenkategorien und 88 % hiervon berechnen unterschiedliche Preise je nach Kundenkategorie.

Dolmetschleistungen
Auf die Frage: »Arbeiten Sie als Dolmetscher?« antworteten 33 % mit »Ja« und 67 % der Befragten mit »Nein«. Ein Drittel aller Befragten arbeitet also zumindest teilweise als Dolmetscher und auf diese Untergruppe von 269 Teilnehmern beziehen sich die folgenden Angaben zu Dolmetschleistungen.
    Bei der Frage »In welchen Einsatzbereichen dolmetschen Sie?« waren die Kategorien vorgegeben und Mehrfachnennungen möglich:

  • Verhandlungsdolmetschen: 73 %
  • Gerichtsdolmetschen: 50 %

  • Auch dies hängt wohl mit dem hohen Anteil von 43 % an Vereidigten in der Umfrage zusammen.
  • Konferenzdolmetschen simultan: 44 %
  • Konferenzdolmetschen konsekutiv: 47 %
  • Messe- und Begleitdolmetschen: 48 %

  • Hier fällt auf, dass vor allem Berufseinsteiger in diesem Bereich arbeiten. In der ausführlichen Analyse wird sich zeigen, welchen Einfluss das auf die Preise in diesem Segment hat.
  • Fernsehdolmetschen: 11 %
  • Gebärdensprachdolmetschen: 4 %
Auf die anschließende Frage nach den Honorararten (Tages-, Halbtages- oder Stundenhonorar) und Preisspannen für die einzelnen Einsatzbereiche erhielten wir viele und sehr unterschiedliche Antworten, sodass wir erst in der Langfassung eine Auswertung dazu vorlegen können.

Übersetzungsleistungen
Auf die Frage: »Arbeiten Sie als Übersetzer?« antworteten 98 % der Befragten mit »Ja« und 2 % mit »Nein«. Fast alle Befragten arbeiten also zumindest teilweise als Übersetzer und auf diese Untergruppe von 805 Teilnehmern beziehen sich die folgenden Angaben zu Übersetzungsleistungen.
    Bei der Frage »Auf welcher Basis berechnen Sie üblicherweise Ihre übersetzerischen Dienstleistungen?« waren die Kategorien vorgegeben und Mehrfachnennungen möglich:

  • pro Zeile: 67 %

  • Dies ist die traditionelle Abrechnungsweise in Deutschland, die offensichtlich nach wie vor weit verbreitet ist. Die überwiegende Mehrheit (84 %) dieser Untergruppe rechnet nach Zielsprache ab. Bei 77 % von ihnen hat die Zeile 55 Anschläge.
  • pro Wort: 45 %

  • Dies ist die übliche Abrechnungsweise im englischsprachigen Ausland, aber auch in vielen anderen Ländern. Hier macht sich wohl die Globalisierung bemerkbar. Über zwei Drittel (70 %) dieser Untergruppe rechnet nach Ausgangssprache ab.
  • pro Stunde: 26 % 
  • pro Seite: 14 %

  • Dies ist die praktizierte Abrechnungsweise der Literaturübersetzer mit den Verlagen und korreliert mit den 14 % der Teilnehmer, die auch Belletristik übersetzen.
  • pro Anschlag: 8 %
Bei der offenen Frage »In welcher Preisspanne bewegt sich Ihr Honorar (netto in Euro) für die jeweilige Abrechnungsart?« gaben die Befragten ihre niedrigsten und höchsten Preise für die verschiedenen Kundengruppen an. Von den so ermittelten Preisspannen werden hier nur einige genannt, die noch nicht nach Sprachrichtungen, Zeilenlänge, Ziel- oder Ausgangssprache, Standort des Übersetzers und ähnlichen Kriterien differenziert sind.
    Für die Abrechnung mit Direktkunden pro Wort ergibt sich eine absolute Spanne von 0,03 bis 0,40 Euro; für Agenturen liegen die Werte zwischen 0,02 und 0,35 Euro. 
Die aus diesen Niedrigst- und Höchstwerten berechneten Mittelwerte ergeben für Direktkunden eine Spanne von 0,12 bis 0,16 Euro und für Agenturen 0,09 bis 0,12 Euro. 
    Für die Abrechnung pro Zeile ist die absolute Spanne für Direktkunden und Agenturen gleich (0,29 bis 5,00 Euro). Die aus diesen Niedrigst- und Höchstwerten berechneten Mittelwerte ergeben für Direktkunden 1,11 bis 1,53 Euro und für Agenturen 0,94 bis 1,09 Euro. 
    Neben Übersetzungen bieten 72 % der Übersetzer auch Korrektur-, Redaktions- und Lektoratsdienste an.

Zuschläge und Mindestauftragspreis
Die Hälfte der 819 Befragten (52 %) berechnen Zuschläge für Wochenendarbeit, Eilaufträge oder erheben Zuschläge nach einem anderen System.
    Über zwei Drittel der Befragten (70 %) berechnen einen Mindestpreis für Kleinaufträge.

Jährlicher Gewinn vor Steuern
Die zentrale Frage dieser Studie lautete: »Wie hoch ist Ihr jährlicher Gewinn vor Steuern 2003 aus Ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Übersetzer/Dolmetscher für alle Sprachrichtungen?« Bei diesen Daten ist wieder zu bedenken, dass sie noch nicht endgültig ausgewertet sind, d. h. hier sind die Angaben aller 819 Teilnehmer unabhängig von ihrer Wochenarbeitszeit zusammengefasst.

  • Verlust = 4 % 
  • 00 bis 10.000 Euro = 23 %
  • 10 bis 20.000 Euro = 18 %
  • 20 bis 30.000 Euro = 18 %
  • 30 bis 40.000 Euro = 14 %
  • 40 bis 50.000 Euro =   8 %
  • 50 bis 60.000 Euro =   6 %
  • 60 bis 70.000 Euro =   4 %
Nach oben wird die Luft allerdings sehr dünn: Nur 5 % der Teilnehmer verzeichneten 2003 einen Gewinn vor Steuern von über 70.000 Euro. Die 27 % der Teilnehmer in den unteren beiden Kategorien werden wohl größtenteils Teilzeitsprachmittler und Berufseinsteiger sein. 
    Überraschend sind die Aussagen zur Gewinnentwicklung: 49 % der Teilnehmer geben an, dass ihr Gewinn von 2000 bis 2003 gestiegen ist, bei 30 % ist der Gewinn in etwa gleich geblieben und nur bei 21 %, also einem Fünftel, ist der Gewinn kleiner geworden. Es sieht so aus, als ob die meisten Kollegen Mittel und Wege gefunden haben, der Wirtschaftskrise zu trotzen und den allseits beklagten Preisdruck in unserer Branche aufzufangen.
    Und wer jetzt neugierig geworden ist und gern mehr wissen möchte, der kann sich auf die Veröffentlichung des ausführlichen Studienberichts im Spätsommer 2005 freuen.
 
Den obigen Kurzbericht können Sie auch als PDF-Datei herunterladen: adue-nord-umfrageergebnisse.pdf. Gleiches gilt für den Fragebogen: adue-nord-fragebogen.pdf. (Mit linker Maustaste online betrachten, mit rechter Maustaste und „Ziel speichern unter ...“ auf eigener Festplatte speichern.

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Der ADÜ Nord – in Deutschland ganz oben
Der Verband vertritt die Interessen der Übersetzer und Dolmetscher zwischen Flensburg und Hamburg. Er kann auf eine 50-jährige Geschichte zurückblicken, trägt den Namen „Assoziierte Dolmetscher und Übersetzer in Norddeutschland“ aber erst seit 1997.
    Eine groß angelegte empirische Untersuchung zur Berufspraxis war überfällig, aber keiner der Verbände traute sich an ein derart arbeitsintensives Mammutprojekt heran. (Die letzte vergleichbare Fragebogenaktion wurde 1988 von Dr. Peter A. Schmitt mit Unterstützung des BDÜ und der Universität Mainz-Germersheim durchgeführt.) Mehr zum ADÜ Nord unter www.adue-nord.de.
[Text: ADÜ Nord, Arbeitsgruppe Fragebogen. Bild: ADÜ Nord. www.uebersetzerportal.de]


Helke Heino


Thea Döhler