2005-04-16
OLG München: Juristische Fachausdrücke können Gerichtsübersetzung erschweren und Zeilensatz von 1,85 Euro rechtfertigen
Der Kostensenat des Oberlandesgerichts (OLG) München hat erneut entschieden, dass juristische Fachausdrücke eine Gerichtsübersetzung erheblich erschweren können. Die Berechnung des erhöhten Zeilensatzes von 1,85 Euro (statt 1,25 Euro) sei dann gerechtfertigt, wenn ein Text „nicht nur vereinzelt juristische Fachausdrücke enthält“ und „die Verwendung von Fachausdrücken zu einer Erschwerung der Übersetzung insgesamt führt“ (Beschluss vom 31.03.2005, 11 W 2738/04). In diesem Fall handelte es sich um die Übersetzung einer Ladung mit Vollstreckungsabwehrklage und angehängtem Beratervertrag ins Englische.
    Drei Monate zuvor hatte dasselbe Gericht in einem ähnlich gelagerten Fall der Übersetzerin ebenfalls den erhöhten Zeilensatz von 1,85 Euro zugesprochen (30.12.2004, 11 W 2931/04).
    Die Urteile sind deshalb bemerkenswert, weil sie aus dem Rahmen fallen. Die meisten Gerichte argumentieren, dass ein Gerichtsübersetzer das gängige juristische Vokabular beherrschen müsse und auch bei juristischen Fachtexten deshalb nur den Mindestzeilensatz von 1,25 Euro in Rechnung stellen dürfe.
    Das am 01.07.2004 in Kraft getretene Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG) sieht unabhängig von der Sprachrichtung nur noch drei verschiedene Zeilensätze ohne Zwischenstufen vor: 1,25 Euro, 1,85 Euro und 4,00 Euro. (Dolmetscheinsätze werden einheitlich mit 55 Euro pro Stunde vergütet.)
    Um Geld zu sparen, erstatten die meisten Gerichte stets nur den Mindestsatz. Oder sie schließen mit
Übersetzungsbüros oder Einzelpersonen Rahmenverträge zu Zeilensätzen ab, die noch unter dem JVEG-Mindestsatz liegen und hebeln das Gesetz dadurch vollständig aus.

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2004-07-01 1. Juli 2004: JVEG ersetzt altes ZSEG

[Text: Richard Schneider. Quelle: www.bdue.de, 2005-04-12. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de

 
Die Justitia auf dem Frankfurter Römerberg