2005-04-15
Caritas Schweiz organisiert Ausbildungskurse und Vermittlungsstellen für Sozialdolmetscher
Wenn in der Schweiz lebende Migranten in Kontakt mit offiziellen
Stellen treten, gibt es häufig Verständigungsschwierigkeiten. Ihre sprachlichen Kenntnisse reichen vielfach nicht aus, um die anstehenden Themen zu besprechen. Auch soziokulturelle Unterschiede können ein Hindernis für das gegenseitige Verstehen sein.
    Anders als in anderen Ländern, die schon lange im Umgang mit Migranten aus unterschiedlichsten Kulturen Erfahrung haben, ist in der Schweiz noch wenig für die Verbesserung dieser Situation unternommen
worden. Häufig gewährleisten Familienmitglieder die Übersetzung. Das kann sehr problematisch sein. Wie soll ein Kind in einem Elterngespräch in der Schule objektiv übersetzen können, was der Lehrer sagt? Wie soll eine enge Freundin in einem Arztgespräch die Diagnose einer Krebserkrankung vermitteln?
    Immer mehr wird erkannt, dass der Beizug einer Dolmetscherin oder eines Dolmetschers die Verständigung in solchen Gesprächssituationen stark vereinfachen kann.

Ausbildung ist wichtig
Dolmetscher, die eingesetzt werden, sind häufig selbst zugewandert und in diese Arbeit hineingerutscht. Sie sind zwar meist sehr engagiert, ohne aber je eine spezielle Ausbildung genossen zu haben. Dolmetschen ist jedoch eine sehr komplexe Arbeit und daher hat sich Caritas der Weiterbildung auf diesem Gebiet angenommen. Nicht nur die Dolmetscher selbst, sondern auch Fachkräfte, die mit ihnen zusammenarbeiten, sind das Zielpublikum eines Kursangebotes,
das zurzeit auf- und ausgebaut wird.
    Beim professionellen Dolmetschen sind gewisse Rahmenbedingungen einzuhalten. Vor- und Nachgespräche mit der Fachperson sind ebenso von Bedeutung wie eine klare Rollendefinition. Die Gesprächsführung liegt bei der Fachperson. Die unterschiedlichen Techniken des Dolmetschens müssen gezielt eingesetzt werden können. Die Dolmetscher brauchen in beiden Sprachen gute Kenntnisse. Und für ihre Arbeit müssen sie nicht zuletzt auch entsprechend entlöhnt werden.

Grosses Interesse an den Kursen
Weiterbildungskurse für Dolmetscher, die sich für psychosoziale
Gruppenarbeit interessieren und zum Teil auch in Caritas-Projekten
mit Flüchtlingen aus dem Kosovo tätig waren, fanden bereits im Jahr 2000 grossen Anklang. Aufgrund der guten Erfahrungen wurde die Professionalisierung der Dolmetscher kontinuierlich vorangetrieben.
    Caritas bietet in verschiedenen Städten Weiterbildungskurse an. Dabei geht es neben den Grundlagen um die sprachliche Vertiefung in den spezifischen Fachgebieten, sei es im medizinischen, psychologischen, juristischen oder sozialen Bereich. Die Kurse enthalten theoretische Elemente, sind aber klar auf die Praxis hin ausgerichtet. Auch für Fachpersonen bedeutet die Zusammenarbeit mit Dolmetschern eine Herausforderung. Daher werden in diesem Bereich Weiterbildungsangebote entwickelt.

Vermittlungsstellen
Caritas Schweiz hat in Chur
im Kanton Graubünden das Projekt «Vermittlungsstelle von DolmetscherInnen im Kanton Graubünden» lanciert. Es geht darum, ausgebildete Dolmetscherinnen und Dolmetscher zu vermitteln, Fachpersonen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich für die Problematik zu sensibilisieren und verschiedene Informations- und Weiterbildungskurse zu veranstalten. Mit den Aus- und Weiterbildungskursen soll auf Dauer erreicht werden, dass ungeeignete Personen, zum Beispiel Kinder, möglichst nicht mehr zum Dolmetschen eingesetzt werden.
    Im Kanton Freiburg kann Caritas Schweiz mit dem «Service d’interprétariat» bereits auf mehrjährige, gute Erfahrungen verweisen. Mehr als 28 Sprachen von Albanisch bis Vietnamesisch werden vom Übersetzungsdienst angeboten. Das Kursangebot richtet sich an Dolmetscherinnen und Dolmetscher sowie an Fachpersonen, die mit ihnen zusammenarbeiten.
    Auch in Bern werden geschulte Dolmetscher
rasch und unkompliziert an Institutionen und Beratungsstellen im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialbereich, an öffentliche Auftraggeber wie Behörden, die Polizei und Gerichte sowie an private Auftraggeber wie Anwälte und Ärzte vermittelt.
    Caritas versucht die Auftraggeber dafür zu sensibilisieren, dass der Einsatz von Dolmetschern nicht einfach nur unliebsame Kosten verursacht, sondern tatsächlich auch einen grossen Nutzen bringt. Eine
bessere Verständigung kann letztlich sogar dazu führen, dass Kosten eingespart werden.

Nachdiplomkurs für Laiendolmetscher an Hochschule Winterthur
Caritas Schweiz und das Institut für Übersetzen und Dolmetschen (vormals Dolmetscherschule Zürich) der Zürcher Hochschule Winterthur haben gemeinsam einen einsemestrigen Nachdiplomkurs
«Transkulturelles Dolmetschen im öffentlichen Bereich» für Laiendolmetscher entwickelt. Er basiert auf den Modulvorgaben von Interpret', der Schweizerischen Interessengemeinschaft für interkulturelles Übersetzen und Vermitteln. Erfolgreiche Absolventen des Kurses können sich zusätzlich bei Interpret' zertifizieren lassen. Dolmetscheinsätze mit diesem Zertifikat werden finanziell vom Bund besonders gefördert.


Eine Dolmetscherin der Caritas im Einsatz

Die Caritas ist eine Hilfsorganisation der katholischen Kirche. In der Schweiz verfügt sie über ein Jahresbudget von rund 100 Mio. Franken (64,3 Mio. Euro). 40 % der Mittel stammen von der öffentlichen Hand, da die Caritas für die Schweiz Aufgaben im Asyl- und Flüchtlingswesen übernimmt, 27 % sind Beiträge Dritter, 18 % sind Spenden und 15 % andere Erträge.

[Text: Caritas. Quelle: Caritas Schweiz. Bild: Caritas.] www.uebersetzerportal.de