2005-06-01
„Bewohnbare Bibliothek“ –  taz berichtet über Europäisches Übersetzerkollegium in Straelen
In der Berliner tageszeitung porträtiert David Denk das Europäische Übersetzerkollegium (EÜK) in Straelen am Niederrhein. Die „bewohnbare Bibliothek“ mit
110.000 Bänden wird als „Kloster des Wortes“ gewürdigt, dessen „paradiesische Arbeitsbedingungen“ von jährlich rund 700 Literaturübersetzern genutzt werden.
    Finanziert wird „die weltweit erste und mit Abstand größte Einrichtung dieser Art“ im Wesentlichen aus Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und EU-Zuschüssen. Der Jahresetat liegt laut Geschäftsführerin Regina Peeters bei „deutlich unter 400.000 Euro“, so dass „Mangelverwaltung“ angesagt sei. Peeters weist darauf hin, dass die PCs „von Aldi und nicht von Dell“ sind. „Dafür haben wir uns morgens in die Schlange gestellt.“
    
Anlass des Berichts ist die Verleihung des mit 25.000 Euro dotierten Übersetzerpreises an den Dänen Niels Brunse, der die Buddenbrooks laut Jury „mit feinfühliger Musikalität und großer sprachschöpferischer Phantasie“ in seine Muttersprache übertrug.
    Beklagt wird in Straelen, dass der Name des Übersetzers von den meisten Lesern nicht wahrgenommen wird:
„Übersetzen ist wie Putzen. Man bemerkt es nur, wenn es schlecht oder gar nicht gemacht wird“, sagt Ljubomir Iliev aus Sofia, der in Straelen Musils Mann ohne Eigenschaften ins Bulgarische überträgt. Geschäftsführerin Regina Peeters wundert sich immer wieder über die unterprivilegierte Stellung der Übersetzer im Literaturbetrieb, vor allem in Osteuropa: „Die werden meistens in Schafskäse bezahlt.“ Selbst ihre deutschen Kollegen kommen selten über ein Seitenhonorar von 15, 16 Euro hinaus.
Über eines können sich die Literaturübersetzer allerdings nicht beklagen: über mangelnde Aufmerksamkeit des Feuilletons. Dieses berichtet akribisch und stets wohlwollend über jeden der laut VdÜ rund fünfzig pro Jahr verliehenen Übersetzerpreise. Obwohl meist ein völlig unbekannter Übersetzer für die Übersetzung eines völlig unbekannten Werks eines völlig unbekannten Autors ausgezeichnet wird. Und obwohl das vier- oder fünfstellige Preisgeld in erster Linie als Hilfe zum Lebensunterhalt für chronisch Unterbezahlte und weniger als Auszeichnung für herausragende Leistungen gedacht ist.
    Technische Übersetzer, deren Werke zumindest vom Umfang her diejenigen von Thomas Mann oft übertreffen (man denke nur an die Wartungshandbücher des Jumbo-Jets) können von dieser Art bescheidenen Ruhms nur träumen. Sie bleiben zeitlebens ungenannt und unbekannt.
    Den genannten Artikel können Sie in der taz lesen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: taz, 2005-06-01. Bild: EÜK Straelen.] www.uebersetzerportal.de


Eines der EÜK-Gebäude in der Innenstadt von Straelen