2005-07-02
Thüringer Führerscheinaffäre: Haftstrafe für korrupten Dolmetscher
Das Amtsgericht Gotha hat einen 52-jährigen Dolmetscher und Übersetzer indischer Herkunft wegen Betrugs bei theoretischen Führerscheinprüfungen zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.
   
Der Mann war überregional für Prüfungskandidaten aus Indien und Pakistan als Dolmetscher tätig. Gegen Zahlung von 250 bis 1.000 Euro pro Person verriet er in rund 60 Fällen beim Dolmetschen die korrekten Antworten. Wenn er mit dem Stift auf dem Prüfungsbogen dort war, wo die richtige Antwort anzukreuzen war, sprach er das vorher vereinbarte Kennwort „dschabab“ (Antwort) aus. Der Betrug war möglich, weil es für viele Sprachen des indischen Subkontinents keine amtlichen Übersetzungen der Prüfungsbögen gibt.
    Das Urteil sei relativ mild ausgefallen, so das Landeskriminalamt (LKA) Thüringen, weil der Mann maßgeblich zur Aufklärung der Korruptionsaffäre beigetragen habe. Der Dolmetscher habe das Urteil angenommen.
    Damit ist die Korruptionsaffäre aber noch nicht abgeschlossen. Das LKA ermittelt noch gegen zwei weitere Dolmetscher sowie zahlreiche indische und pakistanische Fahrschüler.

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[Text: Richard Schneider. Quelle: mdr, Thüringer Allgemeine, TLZ, dpa, ddp, Yahoo News, 2005-06-14. Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de