2005-07-21
Berliner Dolmetscheraffäre: Korrupte Polizisten zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt
Das Berliner Landgericht hat gestern zwei Polizeibeamte wegen Vorteilsnahme zu Bewährungsstrafen von jeweils sechs Monaten verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass sich die heute
36 und 41 Jahre alten Beamten des Landeskriminalamts (LKA) 1998 eine Reise zu einem Basketballspiel in die USA hatten vorfinanzieren lassen. Der für das LKA tätige Türkisch-Dolmetscher Kemal E. (55) hatte die Reisekosten ausgelegt, die Beamten behaupteten, den Betrag von jeweils 1.000 Euro vier Wochen später in bar erstattet zu haben.
    Das Gericht mahnte in seiner Begründung, Beamte dürften keine auch noch so geringen Vorteile annehmen. Statt über Wochen in der Schuld des Dolmetschers zu stehen, hätten die Angeklagten die Kosten vor Reiseantritt begleichen müssen. Da das Verhalten der Beamten zu einem Ansehensverlust der Polizei geführt habe, müsse das Urteil auch Signalfunktion haben.
Die Verteidiger der Polizisten kündigten Revision an. Sie hatten auf Freispruch plädiert.
 
   Im August 2003 waren drei in die Affäre verwickelte Polizisten in einem ersten Verfahren freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hatte dieses Urteil im Februar 2005 aufgehoben und eine Neuverhandlung angeordnet.
    Dolmetscher Kemal E. ist 2003 zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Siehe hierzu auch unser Dossier.

[Text: Richard Schneider. Quelle: taz, Welt, PNN, 2005-07-20; Bild: Archiv.] www.uebersetzerportal.de