2005-07-23
Nachfragesteuerung und Textlängenbegrenzung – EU-Kommission optimiert Übersetzungsabläufe
Die EU-Kommission hat eine Mitteilung zur Überprüfung und Anpassung der Strategie für die Übersetzung angenommen. Um die Einführung neun neuer Amtssprachen in ihre Arbeitspraxis zu ermöglichen, verabschiedete die Kommission im Mai 2004 eine Reihe praktischer Maßnahmen. Dazu gehörte ein System zur Nachfragesteuerung, das die Einhaltung der Standardlänge der Texte gewährleisten sollte. In der Mitteilung werden der Text des letzten Jahres ausgewertet und Lehren für die Zukunft gezogen, insbesondere im Hinblick auf die Einführung weiterer Amtssprachen. Dadurch soll die Rolle der Übersetzung im Entscheidungsprozess gestärkt werden.
    Im letzten Jahr wurden der Übersetzung der EU-Rechtsvorschriften oberste Priorität eingeräumt und Obergrenzen für die Länge anderer Dokumente eingeführt, die die Generaldirektionen und Dienststellen der Kommission in die Übersetzung geben dürfen. Diese Maßnahmen wurden erfolgreich umgesetzt und werden – mit den heute beschlossenen Anpassungen
bis zum Ende der Übergangsphase gelten.
    EU-Kommissar für Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit, Ján Figel' [Slowakei], sagte dazu: „Dank einer Reihe praktischer Maßnahmen, die im letzten Jahr eingeführt wurden, konnten die Übersetzungskapazitäten in der Kommission aufgestockt werden, so dass die Kommission ihren rechtlichen Verpflichtungen gemäß dem Vertrag nachkommen konnte.“ Figel' fügte hinzu: „Inzwischen ist die Mehrsprachigkeit ein fester Bestandteil des Aufgabenbereichs eines Kommissionsmitglieds und die heute angenommene Mitteilung ist ein Beitrag zum mehrsprachigen System der Union und ihrer demokratischen Legitimation.“
    In der Mitteilung werden folgende Aspekte hervorgehoben:
    Auf der Angebotsseite hat die Kommission die Kapazitäten durch die Einstellung von mehr als 400 Zeitbediensteten und Beamten erhöht, ihre Außenstellen ausgebaut, die Übersetzer geschult, Personal bedarfsgerecht versetzt sowie weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsabläufe und der Organisation getroffen.
    Die wichtigsten Anpassungen, die heute am Aktionsplan vorgenommen werden, sehen vor, dass Finanzbögen jetzt in alle Sprachen übersetzt werden sollen und zugleich der maximale Seitenumfang für Begründungen von Kommissionsvorschlägen erhöht wird. Auch die Länge von Pressemitteilungen, die für die Übersetzung
zugelassen werden, wird flexibler gehandhabt und die für die Übersetzung von Webseiten bereitgestellten Ressourcen werden verdoppelt.
    Nach dem Fazit der Mitteilung hat die Übersetzung die Bühne der politischen Entscheidungsprozesse betreten und muss somit von Beginn an in die Vorarbeiten mit einbezogen werden, so dass sie nicht zu einem Hemmschuh für die Arbeiten der Kommission wird. Die Erfahrungen aus der Erweiterung von 2004 müssen dazu genutzt werden, das Hinzukommen weiterer Amtssprachen im Zuge der nächsten Erweiterung der Union vorzubereiten.

[Text: EU-Kommission. Quelle: Pressemitteilung, 2005-07-20. Bild: EU-Kommission.] www.uebersetzerportal.de


Jan Figel'