2005-07-26
Übersetzungen oft deutlicher als Ausgangstext – Forschungsprojekt an Uni Saarbrücken
In einem neuen Forschungsprojekt befasst sich der Lehrstuhl für Englische Sprach- und Übersetzungswissenschaft der Universität des Saarlandes mit charakteristischen Besonderheiten übersetzter Texte. Ziel des Forschungsprojekts mit dem Titel „Sprachliche Eigenschaften von Übersetzungen – Eine korpusbasierte Untersuchung für das Sprachenpaar Englisch/Deutsch“ ist es, sowohl solche Eigenschaften von Übersetzungen herauszuarbeiten, die in Abhängigkeit des jeweiligen Sprachpaars und der Übersetzungsrichtung entstehen als auch solche, die universell sind, d.h. aus dem Übersetzungsprozess resultieren.
    Wenn wir übersetzte Texte lesen, beispielsweise einen aus dem Englischen übersetzten Roman, oder auch eine der zahlreichen Web-Seiten internationaler Firmen oder Behörden, stolpern wir hin und wieder über Ausdrücke und Formulierungen, anhand derer wir erahnen können, wie das englische Original formuliert war. Oft erscheint auch die ganze Präsentations- und Argumentationsweise „typisch Englisch“. Neben diesem Durchscheinen der Ausgangsprache gibt es noch eine Reihe weiterer so genannter Übersetzungseigenschaften, die möglicherweise sogar unabhängig von dem betroffenen Sprachenpaar gelten. So lässt sich beispielsweise feststellen, dass Informationen in Übersetzungen oft deutlicher, also expliziter, als in den ausgangssprachlichen Originalen ausgedrückt werden.
    Am Beispiel des Sprachenpaars Englisch/Deutsch soll in dem neuen Forschungsprojekt an der Saar-Uni insbesondere diese Übersetzungseigenschaft der Explizierung untersucht werden. Dabei wollen die Forscher ein umfangreiches elektronisches Textkorpus aufbauen und mit zusätzlichen linguistischen Informationen anreichern, um eine Grundlage für die genaue Beschreibung und Erklärung des untersuchten Phänomens zu schaffen.
    Als Resultat der Untersuchungen werden Erkenntnisse darüber erwartet, welche Textstrukturen besonders „anfällig“ dafür sind, in der Übersetzung deutlicher und somit expliziter ausgedrückt zu werden als im entsprechenden Original. Die Forschungsergebnisse sollen außerdem zu einem besseren Verständnis des Übersetzungsvorgangs beitragen, was auch für die Praxis und Ausbildung im Übersetzungsbereich Relevanz erlangen kann: Wenn Übersetzer wissen, was – teilweise unbewusst – beim Verfassen ihrer Übersetzung geschieht, können sie bewusst entscheiden, ob sie die Abweichungen tatsächlich in ihre Arbeit aufnehmen möchten.
    Alternativ können sie nach einer anderen Formulierung oder Struktur suchen, die geeignet ist, die Leserin oder den Leser vergessen zu lassen, dass das, was sie lesen, eine Übersetzung ist. Neben den rein übersetzungswissenschaftlichen Erkenntnissen hoffen die Forscher zudem, mit Hilfe ihrer Untersuchungen besser zu verstehen, was passiert, wenn Sprachen und Kulturen – etwa durch Übersetzung – miteinander in Kontakt treten.
    Entscheidende Unterstützung erfährt das Forschungsprojekt durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit im Großbereich Sprachforschung und Sprachtechnologie, der an der Universität des Saarlandes ausgezeichnet ausgebaut und vertreten ist.
    Beantragt wurde das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt gemeinsam von Prof. Dr. Erich Steiner, Dr. Stella Neumann und Dr. Silvia Hansen-Schirra, die gleichzeitig auch in der Fachrichtung Computerlinguistik forscht.

[Text: Saar-Uni-Presseteam. Quelle: Pressemitteilung, 2005-07-19. Bild: Universität des Saarlandes.] www.uebersetzerportal.de