2005-08-29
Berlin immer noch Provinz-Hauptstadt? Museen und Verkehrsbetriebe sprechen nur Deutsch
In Frankfurt am Main können Amis und Briten ein ganzes Arbeitsleben verbringen, ohne Deutsch lernen zu müssen. Die Mainmetropole – zugegeben die amerikanischste aller deutschen Städte – präsentiert sich in vielen Bereichen (Verkehr, Verwaltung, Tourismus) zweisprachig. Die überaus zahlreichen ausländischen Banker wissen das ebenso zu schätzen wie die Militärs der Rhein/Main Airbase.
    In Berlin hingegen finden sich nicht einmal englischsprachige Touristen zurecht. Um Ausreden ist die Stadtverwaltung nicht verlegen. Fremdsprachige Durchsagen in den Verkehrsmitteln gibt es nicht, weil die Haltestellen angeblich zu nah beisammenliegen. „
Sonst läuft die Ansage noch, und der Zug ist schon da“, behauptet eine Sprecherin der Verkehrsgesellschaft. Übersetzungen von Schrifttafeln in Museen und Ausstellungen werden „aus Platz- und Kostengründen“ nicht angefertigt.
    Die Berliner Zeitung mahnt: „Nur langsam scheint sich die Idee durchzusetzen, dass eine derartige Übersetzung kein netter Zusatzservice ist, sondern schlicht zu einer Touristenmetropole gehört.“
    Aber es gibt auch lobenswerte Gegenbeispiele: Der Hotel- und Gaststättenverband will seinen Mitgliedern im nächsten Jahr zur Fußball-Weltmeisterschaft einen Übersetzungsservice anbieten. Die Landespolizeischule organisiert aus demselben Anlass spezielle Englischkurse für Ordnungshüter. Und auch die Innung der Taxifahrer bietet Englischkurse an, die jedoch nur von hundert der 14.000 Berliner Benzinkutscher wahrgenommen werden. (Bei vielen wären Deutschkurse sicherlich auch dringlicher.) Für die Busfahrer der Hauptstadt wurde eine 83-seitige Broschüre mit dem englischen Nahverkehrsgrundwortschatz und eine CD mit Hörbeispielen erstellt.
    In der Berliner Zeitung ist ein Artikel von
Brenda Strohmaier und Constanze Haase zu diesem Thema erschienen.

[Text: Richard Schneider. Quelle: Berliner Zeitung, 2005-08-04. Bild: Stadt Berlin.] www.uebersetzerportal.de