2005-10-22
„Babylonisches Sprachvergnügen“: Thementag bei arte
Verständigungshindernis Sprache? Sprache trennt und vereint, beflügelt die Fantasie und prägt die Kultur der Menschen. Lehrer, Dolmetscher und Übersetzer machen sie zum Beruf. arte bringt in einem Thementag heute die Vielfalt der menschlichen Kommunikation zur Sprache.
    Gott, so sagt man, bestrafte den Hochmut der Turmbauer zu Babel, indem er ihnen das inzwischen sprichwörtlich gewordene „Babylonische Sprachengewirr“ bescherte. So kam es, dass niemand mehr die gleichen Worte benutzte, der eigene Nachbar nicht mehr verstanden wurde. Doch zigtausend verschiedene Sprachen und Dialekte weltweit entmutigten die Menschen nicht, denn Not macht schließlich erfinderisch. Und so erfanden sie schnell Mittel und Wege, um das leidige Verständigungshindernis Fremdsprache zu umschiffen. Die Berufe der Übersetzer und Dolmetscher entstanden, Sprachschulen und andere Institutionen wurden gegründet, um dem Sprachenlabyrinth zu entfliehen. Aber es gab auch Übelgesinnte, die sich der Sprache bedienten, um diejenige des Nachbarn zu unterdrücken. Herrscher, die Hochsprachen dekretierten und Dialekte verbannten. Doch es gibt auch Erfreuliches zu vermelden. Die unterschiedlichen Sprachen waren und sind der Nährboden für Dichter und Denker aller Himmelsrichtungen. Diesen Sprachen, die uns trennen und vereinen, unsere Fantasie beflügeln und unsere Kultur bestimmen, widmet arte einen ganzen Thementag: Ein babylonisches Sprachvergnügen!






Sa., 22.10.,
14.00-14.25 Uhr, arte
Wie ich ein Europäer wurde (Dokumentation)
Der Hamburger Filmemacher Jan Peters hat sich kurz vor der EU-Erweiterung 2004 im Europaparlament umgesehen. In einer amüsanten Reportage schildert er seine persönlichen Eindrücke vom dort vorherrschenden Sprachengewirr. Eine Woche lang hat er dazu die Mitarbeiter des Dolmetscherdienstes SCIC begleitet.


Sa., 22.10.,
14.25-15.00 Uhr, arte
Das Geschenk der Sprachen (Dokumentation)
Was ist der Unterschied zwischen denen, die Dank einer zweisprachigen Familie von der Wiege auf zwei Sprachen lernen, und jenen, die ausschließlich in einer Sprache denken, lernen und leben? Pierre-Olivier François geht dem Phänomen der Zweisprachigkeit in Katalonien, Deutschland, Frankreich und der Schweiz auf den Grund.

Sa., 22.10.,
15.00-15.35 Uhr, arte

So., 23.10., 14.45 Uhr, arte
Südtirol zwischen zwei Sprachen (Dokumentation)
Deutsche Präzision und italienisches Flair, so beschreiben sich die Südtiroler gerne selbst. Seit dem Ersten Weltkrieg gehört diese Region südlich der Alpen zu Italien. Hier sprechen die Menschen mehrere Sprachen, allen voran Deutsch und Italienisch. Zwei Sprachen, zwei Welten?
    In Südtirol hat sich die deutschsprachige Bevölkerung den Schutz der eigenen Sprache erkämpft, und die beiden Sprachgruppen Deutsch und Italienisch leben friedlich nebeneinander. Auf den ersten Blick eine heile Welt. Ein Miteinander jedoch gibt es nicht: Getrennte Schulen, getrennte Kirchen, getrennte Medien, getrennte Familien. Italienisch- und Deutschsprachige beäugen sich misstrauisch und fürchten, dass jede Änderung des Status Quo sie benachteiligen könnte. Die Geschichte, vor allem die Zeit des italienischen Faschismus, wird hinter der äußeren Fassade sichtbar: Zwei Sprachen, zwei Welten. Der Film von Christian Popp interessiert sich für Menschen, die diese Sprachgrenze überschritten haben und die Annäherung als Chance begreifen.


Sa., 22.10.,
15.35 Uhr, arte
Zwischensprach (Dokumentation)
Ausgerechnet die Schweiz ein Miniatur-Europa? Man mag es kaum glauben, doch neben Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch ist der Einfluss des Englischen in letzter Zeit enorm gewachsen und durchdringt immer mehr Lebensbereiche. Könnte Englisch die fünfte Landessprache werden? Anlässlich der Diskussion um die Einführung des Frühenglisch an Schweizer Schulen gibt die Dokumentation von Samir Samal Aldin Einblicke in die schweizerische Sprachenvielfalt
.

Sa., 22.10.,
16.30 Uhr, arte
Misafa Lesafa – Von Sprache zu Sprache (Doku Frankreich/Israel)
Zehn Männer und Frauen - Schriftsteller und Musiker - erzählen von ihrer Beziehung zur hebräischen Sprache und der Sprache ihrer Kindheit. Oft hat das Hebräische im Lauf der Jahre die Worte der Muttersprache verdrängt, doch die Lieder in der Sprache der Heimat klingen immer noch nach und lassen sie immer wieder lebendig werden
.

Sa., 22.10.,
17.35 Uhr,
arte
Die Flüsterer
Siehe dazu auch unseren Artikel Die Flüsterer – Dokumentarfilm über Konferenzdolmetscher feiert Premiere.

Sa., 22.10.,
18.40 Uhr, arte
Das Alphabet von Bruly Bouabre (Doku Frankreich 2004, Originalfassung mit Untertiteln, Erstausstrahlung)
In Zeprégühé, einem Dorf an der Elfenbeinküste, leben die Bété, der drittgrößte Volksstamm des Landes. Sie kennen keine Schriftsprache, und somit wäre ihre Muttersprache beinahe verschwunden. Für diese Volksgruppe hat der Künstler Bruly Bouabré ein phonetisches Alphabet erfunden, das mehr als 400 Zeichen umfasst
.

[Text: arte. Bild: arte.] www.uebersetzerportal.de