2005-12-10
60 Jahre Pippi Langstrumpf: Jahrzehntelang verharmlosende Übersetzungen
Pippi Langstrumpf
, die bekannteste Figur der schwedischen Schriftstellerin Astrid Lindgren, wird dieses Jahr 60 Jahre alt. Die deutsche Übersetzerin
Cäcilie Heinig hat den Ausgangstext jahrzehntelang entschärft und damit verfälscht – offenbar aus Sorge um das Wohl der kindlichen Leser und im Auftrag des Oetinger Verlags. Der Bayerische Rundfunk schreibt auf seiner Website dazu:
Die brave Seite Pippis verkörpert Übersetzerin Cäcilie Heinig. Getreu der Adenauerschen Maxime „Keine Experimente wagen“ sorgte sie dafür, dass Pippi hier zu Lande statt Fliegenpilze nur Steinpilze mampft und das Dienstmädchen ihrer Großmutter zwar bellt, nicht aber die Pastorin ins Bein beißt.
    Die Literaturwissenschaftlerin Astrid Surmatz konstatiert das „Betuliche“ und „Pädagogische“ der Übersetzung und stellt stirnrunzelnd fest: „Die schwedische Pippi offenbart ein Quäntchen an Verrücktheit, das der deutschen Pippi fehlt.“ Immerhin: 1986 war der Oetinger Verlag mutig genug, die deutsche Version mit Fliegenpilz nachzuwürzen.
[Text: Richard Schneider. Quelle: Bayerischer Rundfunk, 2005-09-13. Bild: Oetinger Verlag.] www.uebersetzerportal.de