2005-12-18
„Bundeskanzlerin“ Wort des Jahres in Deutschland
1. Bundeskanzlerin, 2. Wir sind Papst, 3. Tsunami, 4. Heuschrecken, 5. Gammelfleisch, 6. Jamaika-Koalition, 7. hoyzern, 8. suboptimal, 9. Telenovela, 10. FC Deutschland 06

Die Wiesbadener Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat „Bundeskanzlerin“ zum „Wort des Jahres 2005“ gewählt. Die feminine Endung -in an Berufs- und Personenbezeichnungen ist nicht neu – dennoch wäre noch vor wenigen Jahrzehnten auch eine Frau an der Spitze der Regierung als
Bundeskanzler bezeichnet worden. Spätestens seit Beginn des Wahlkampfs für die vorgezogenen Neuwahlen zum Deutschen Bundestag etablierte sich mit der Kanzlerkandidatin Angela Merkel auch die Bezeichnung Bundeskanzlerin. Sprachlich wirft der Ausdruck interessante Fragen auf, etwa die nach lexikalisierten Zusammensetzungen wie Bundeskanzleramt oder protokollarischen Gepflogenheiten der Anrede.
    An zweiter Stelle steht die Schlagzeile „Wir sind Papst“, mit der eine große Tageszeitung [Bild-Zeitung] die Wahl des deutschen Kardinals Joseph Ratzinger zum Nachfolger von Papst Johannes Paul II. kommentierte. Sprachlich einprägsam, hat diese Wendung selbst im Ausland ein Echo gefunden und wurde noch Monate später zitiert und verändert („Sind wir noch Papst?“).
    „Tsunami“ geht auf die Flutkatastrophe vom 26. Dezember des vergangenen Jahres zurück, hat jedoch 2005 über Monate hinweg die Schlagzeilen in Deutschland bestimmt und zu zahlreichen Zusammensetzungen wie auch übertragenen Bezeichnungen geführt (etwa „stiller Tsunami“ für weniger bekannte Katastrophen).
    Auf Platz vier der Liste der Wörter des Jahres wurde „Heuschrecken“ gewählt, nach den Worten des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering, der im Rahmen der Kapitalismusdebatte vor allem ausländische Finanzinvestoren mit Heuschreckenschwärmen verglich, die über Unternehmen herfielen, sie abgrasten und dann weiterzögen.
    „Gammelfleisch“ auf Platz fünf steht für den Fleischskandal, der in der zweiten Jahreshälfte erschreckende Dimensionen annahm.
    In die Spitzengruppe der Jahreswörter kamen weiterhin „Jamaika-Koalition“ (6.), „hoyzern“ (7.), „suboptimal“ (8.), „Telenovela“ (9.) und der Titel der Imagekampagne „FC Deutschland 06“ (10.).
    Die Wörter des Jahres werden von der GfdS-Jury als eine Art sprachliche Chronik nach dem für das Jahr Typischen ausgesucht, nicht nach der Häufigkeit ihrer Verwendung. Eine Wertung ist damit nicht verbunden.

Mehr Infos unter www.gfds.de.

[Text: GfdS. Quelle: undatierte Pressemitteilung GfdS. Bild: GfdS.] www.uebersetzerportal.de